Startseite Hochzeit - Fest der Liebe Texte zur Hochzeit So hältst Du eine wirklich gute Rede


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Es hat Dich also erwischt. Du sollst eine Rede halten. Ob als Trauzeuge, Brautvater, Bruder des Jubilars oder Schwester der Schwägerin. Wenn Du nicht gerade geübt darin bist, ist Dir bei dem Gedanken daran wahrscheinlich der Schweiß ausgebrochen. Du kannst nicht schreiben, Du kannst nicht reden, Du kannst nicht ruhig vor versammelter Mannschaft stehen, ohne die Hände in die Hosentaschen zu stecken oder rot anzulaufen.

Denkst Du!

Doch sei guten Mutes. Zusammen werden wir das hinkriegen. Vertrau mir!

Doch bevor Du Dich vor ein leeres Blatt Papier setzt, tue ein paar Tage erstmal gar nichts. Oder genauer gesagt, warte einfach mal ab, ob Dir - ganz ohne Anstrengung, einfach so - ein Thema in den Sinn kommt. Wenn Du die Person(en) ein bisschen kennst, für die Du eine Rede halten willst (und davon gehen wir jetzt mal stark aus), werden Dir sicherlich eine Reihe von Ideen, oder sagen wir mal, Gedankenblitzen kommen:

  • eine gemeinsame Anekdote aus Eurer Schul- oder Jugendzeit
  • ein besonderes Hobby oder eine besondere Eigenschaft der Person (ständiges Niesen im Heuhotel oder so ...)
  • was Du an ihr besonders magst oder schätzt
  • was Du ihr immer mal sagen wolltest und noch nie die richtige Gelegenheit hattest
  • was Dich mit ihr verbindet

Du darfst später auch ruhig ein wenig aus dem "Nähkästchen" plaudern. Wichtig ist nur, dass die von Dir enthüllten Details der Person (oder einem anderen Gast) nicht die Schamröte ins Gesicht treibt. (Wie man es also nicht machen sollte, kann man sich auf vergnügliche Weise bei "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" anschauen).

Ist Dir irgendwann ein Gedanke gekommen, schreibe ihn - in Form eines Satzes oder eines Wortes - auf einen großen leeren Zettel. Mache einen Kreis darum und sieh zu, ob Dir weitere spontane Einfälle kommen. Nichts ist falsch oder dumm oder ungeeignet. Du brauchst jetzt noch nicht auszuwählen oder zu bewerten; sammle einfach nur, was Dir in den Kopf kommt. Die neuen Begriffe kannst Du rund um das Wort gruppieren und durch Striche miteinander verbinden. So entsteht eine Art Netzwerk (oder "Traube") an Begriffen und Worten. Diese Methode nennt man Clustern, und sie ist dem Brainstorming verwandt.

Falls Du hierbei einen guten Einstieg in Deinen Text findest, nur Mut! Fang einfach an. Oft fließen einem die Gedanken plötzlich wie von selbst aus dem Stift.

Falls nicht, habe ich hier noch ein paar methodische Tipps für Dich, wie Du Dich, das Cluster als Gedankenanregung vor Augen, Deinem Reden-Entwurf nähern kannst. 

  1. Überlege, wer Deine Zuhörer sein werden und wen Du begrüßen willst.
  2. Trau Dich, eine persönliche Rede zu halten!
  3. Beginne beim Hier und Jetzt. Beim Anlass der Rede und ggf. warum Du diese Rede hältst (hier kannst Du den Zuhörern z.B. verraten, dass der Bräutigam Dein Sandkastenfreund ist). Vielleicht kannst du zum Einstieg auch kurz erzählen, wie diese Rede entstanden ist.
    Stell Dir auch vor, wie Du Dich in der Situation wahrscheinlich fühlen wirst und benenn es in zwei, drei Sätzen. ("Sie sehen hier einen ziemlich nervösen Trauzeugen vor sich. Diese Rede hat mich zwei schlaflose Nächte gekostet, aber Du, X, bist es mir wert (oder: die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen").
    Solch ein Einstieg hat zwei psychologische Effekte: zum einen sinkt Dein Lampenfieber, indem Du es "offenbarst". Zum anderen macht Dich solch ein Geständnis sympathisch, da menschlich. Und das funktioniert bei Reden immer gut. Also, nur Mut! Oder falls Du ein notorischer Nichtschreiber bist, skizzier zum Einstieg (in 2-3 Sätzen) ruhig Deine stapelweise zerknüllten Papierbögen, mit einem entsprechenden Hinweis an (z.B.) den Bräutigam, er möge diese schwere Arbeit als hohe Wertschätzung und Ausdruck Eurer Freundschaft werten. Trau Dich, über Dich selbst dabei zu lachen! Und: entschuldige Dich höchstens einmal für das, was Du "nicht kannst"!
  4. Sofern es sich nicht bereits aus Punkt 3 ergeben hat, wäre nun eine gute Gelegenheit, von Deiner Bindung/Beziehung/Erfahrung mit der entsprechenden Person zu erzählen. Was ich für ganz wichtig halte: sei dabei vor allem authentisch (und wohlwollend natürlich, dem Ereignis angemessen.) Wie fühlst Du Dich, hier zu stehen und diese Rede zu halten, wie fühlt es sich für Dich an, dass die Person heute heiratet, 70 Jahre alt wird o.ä.m. Was ist Dir im Vorfeld des Festes in den Sinn gekommen, was fürchtest Du, worauf freust Du Dich - kurzum, was hat das alles mit Dir zu tun? Wechsle dabei auch regelmäßig zwischen "Ich" und "Du" bzw. "Ihr".
    Und solltest Du bei Deinem Redenschreiben auf einmal feststellen, dass Du plötzlich sehr unangenehme Gefühle bekommst (z.B. weil Du plötzlich über etwas Unausgesprochenes, Ungeklärtes zwischen Euch stolperst), so hebe es für einen späteren Zeitpunkt auf und sei jetzt gnädig mit Dir und Deinem Gegenüber. Und bedenke: Du musst ja nicht alles sagen. Du schreibst hier das Drehbuch.
    Doch grundsätzlich gilt wie in guten Romanen auch hier: Menschen, mit denen wir uns gerne identifizieren, haben gute wie auch weniger gute Seiten. Das heißt, Du musst nicht ins Lobhudeln verfallen, sondern kannst bei aller Freundschaft auch ruhig mal an einer Stelle fallen lassen, dass Du ja damals ganz schön verschnupft gewesen bist, weil ... Gib der Beziehung zwischen Euch Farbe und Leben. Kontraste und Gegensätze machen Geschichten erst spannend. Überlege auch, was für Außenstehende interessant oder wissenswert sein könnte (und was für Dich vielleicht eine Selbstverständlichkeit ist). Sei Dir dabei klar, dass Du Dich sowohl an den Bräutigam, Jubilar etc., aber auch an seine Zuhörer wenden (= sie direkt ansprechen) solltest. So ist Dir die Aufmerksamkeit aller gewiss.
  5. Wenn Du Euren bisherigen gemeinsamen Weg skizziert hast, komm wieder ins Hier und Jetzt (=die aktuelle Situation). Formuliere Deine (guten) Wünsche und Deine Hoffnungen für die Zukunft.
    Falls es sich anbietet, kehre am Ende Deiner Rede noch einmal kurz zu Deinem Anfangsthema (oder einem von Dir verwendeten Bild oder Vergleich) zurück. Das ist eine geschickte Technik, um Deine Rede "rund" zu bekommen. Also wenn Du z.B. eingangs über Deinen (vor Angst) kneifenden Magen gesprochen hast, kannst Du jetzt den roten Faden nochmal aufnehmen und auf Deinen inzwischen (vor Hunger) knurrenden Magen eingehen und auf das nun anstehende Buffet (oder so) hinweisen.
  6. Bedanke Dich für die allgemeine Aufmerksamkeit, und wenn Du magst, überreiche der von Dir angesprochenen Person zum Abschluss eine Kopie Deiner Rede.

Und nun noch ein paar grundsätzliche Tipps:

Vorab

  • Mache zu Hause einen Testdurchlauf Deiner Rede, entweder vor dem Spiegel oder vor einem wohlwollenden Zuhörer.
  • Bevor Du beginnst, stell Dich mit beiden Beinen fest auf die Erde. Schenke Deinem festen Stand einen Moment Aufmerksamkeit, wippe evtl. mit den Fußsohlen ein wenig vor und zurück, bis Du stabil stehst. Sieh Dich einen Moment um. Wo bist Du hier? Spür Deinen Körper, Deinen Atem, Deine Hände, Deinen Bauch. Nimm drei tiefe Atemzüge (Betonung auf Ausatmen), bevor Du beginnst.
  • Sprich langsam, laut und deutlich, gönne Dir Pausen. (Wenn es Dir hilft, mach Dir im Text eine Notiz "Pause"). Pausen machen manches Gesagte erst wirkungsvoll.
  • Sieh Dein Gegenüber (oder Spiegelbild) an.
  • Lass eine Uhr mitlaufen. Sieh zu, dass Du nicht länger als 5 bis 10 Minuten sprichst (je geübter Du bist, desto länger wirst Du sprechen können). Je kürzer und prägnanter Deine Rede ist, desto besser. (Nun, es dürfen schon mehr als zwei Sätze sein ;-)

Texthygiene

  • Prüfe den Text auf Wiederholungen. Falls Du sie nicht bewusst als Stilmittel eingesetzt hast, Wiederholungen streichen!
  • Markiere alle Fremdwörter rot. Ersetze diese Wörter alle (!) durch deutsche und leicht verständliche.
  • Dein Reden-Text sollte nicht hochgestochenes Schriftdeutsch, sondern umgangssprachlich sein! So wie man eben redet! Also, prüfe jeden Satz, ob Du das tatsächlich so sagen würdest. Stolperst du beim Testdurchlauf über eine Formulierung: rausstreichen, durch was Einfaches, Neues ersetzen!
  • Je kürzer Deine Sätze, desto besser.

Im Ernstfall

  • Druck die Rede in einer großen, gut lesbaren Schrift aus. Vergiss Deine Lesebrille nicht ;-)
  • Hefte die Seiten in der richtigen Reihenfolge aneinander, damit sie Dir in Deiner Nervosität nicht aus der Hand und durcheinanderfallen.
  • Bevor Du loslegst, sieh Dich nochmal um und spüre Dich ganz bewusst einmal (wie oben erwähnt). Prüfe Stand und Atmung. Suche - wenn möglich - Blickkontakt zu Deinen Zuhörern, bevor Du beginnst. Das gibt Dir Sicherheit. (Es gibt auch Redner, die sehen die ganze Zeit mehr oder weniger eine Person an. Versuche, alle einmal freundlich anzublicken, das schafft Kontakt zwischen Euch!)
  • Und dann los! Lampenfieber haben selbst routinierte und erfahrene Profis immer wieder. Sei´s drum. Nimm Dein Lampenfieber wahr und erlaube ihm dazusein. Wenn gar nichts mehr geht, offenbare Dich Deinen Zuhörern ("Jetzt hab ich grad einen Aussetzer. Ich bin so schrecklich aufgeregt"). Das hilft enorm und sichert Sympathien!

Und hier noch ein Tipp für Fortgeschrittene und Sprachkünstler:

Am besten erreichst Du Deine Zuhörer, wenn Du durch Deine Sprache alle fünf Sinne ansprichst (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten). Aus dem NLP (Neurolinguistische Programmierung) ist nämlich bekannt, dass Menschen unterschiedlich gut auf den einzelnen "Sinneskanälen" funken. Wenn Du selbst z.B. ein visueller Typ bist und nur mit visuellen Bildern arbeitest, erreichst Du vielleicht nicht so gut die "auditiven" Typen (die viel über das Gehör wahrnehmen). Den "Nasenmenschen" erreichst Du, wenn Du den Duft einer Sommerwiese beschreibst, und der "Tast-Typ" will vielleicht erfahren, wie sich die Sommerwiese unter Deinen nackten Füßen angefühlt hat ...

Und nun: Viel Spaß, tolles Fest und gutes Gelingen!