Über alles außer uns
Für Axel
Es war mein Geburtstag. Meinen Mut hatte ich gesammelt und ihn eingeladen. Er kam mit einem Blumenstrauß und reichte mir die Hand. Sie war steif und kalt.
Unpassend schnell, fand ich, klopfte mein Herz.
Detailgenau hatte ich mir das Wiedersehen ausgemalt. Wie ich sein leuchtendes Gesicht in der Menge entdecken würde. Dann, mit einen Jubelschrei, wehenden Armen und Beinen im Galoppsprung auf ihn zu. Wiedersehen.
Und jetzt dieser Blumenstrauß. Rosen. Verlaust.
Beim Hallo entgleitet sein Blick dem meinem wie Schmierseife auf Schmierseife, die Härchen meiner Wange entlang, über mein Kinn, nur kurz an den Rand meines Ausschnittes tastend, dann kullert er verschreckt über das Muster meines Teppichs und verkriecht sich zwischen meinen Kakteen. Seine Stimme ist fern.
Schön dich zu sehen, schiebe ich herzklopfend hervor und greife nach seiner Hand. Seine babywarm schwitzige Hand ist butterweich. So weicht er zurück, hastig, und schiebt die Lausrosen zwischen uns, das gelbe Rosenweiß und die Dornen.
Schönes Geburtstagswetter hast du dir ausgesucht, sagt er und lächelt matt. Darf ich mich setzen?
Den Platz auf dem Sofa fege ich ihm leer, sogar mein Kindheitsteddy räumt seinen Platz. Ich spurte los für den Kaffee und Zucker mit Milch. Die Tasse klappert atemlos zwischen meinen Fingern, rutscht auf den Couchtisch. Die Kaffeemaschine gluckert viel zu langsam, selbstverträumt.
Wie geht´s Nina? frage ich in Richtung meiner Hände.
Putzt die Wohnung, sagt er gleichgültig und schielt nach dem Kaffee. Ich springe auf. Obst? frage ich. Oder Kekse, selbstgemacht. Extra für dich.
Sein Lächeln ist hauchdünn. Nein danke, sagt er. Ich bleibe nur gerade. Habe die Waschmaschine noch angestellt, bevor ich ging. Und nachher gibt's Hamburger. Auch selbstgemacht. (Er grinst. Fast glücklich.) Pünktlich um sechs.
Sein Blick auf der Uhr.
Noch dreiundzwanzig Minuten. Jetzt werde ich hektisch. Reiche ihm den Kaffee halbdurchseiht. Die Kekse verschwinden wieder im Schrank.
Unter tickenden Zeigern versuche ich zu sagen, daß ich auch über seinen Zeitabfall noch glücklich bin ...
Doch als ich all die wohldurchdachten Worte auf ihn niederregnen lassen will, verschluckt er sich am Kaffee, drückt mir einen schlechtplazierten Geburtstagsabschiedskuss auf die Stirn und bricht wieder auf zu seinem Heimchen, seinem Hamburger und seiner Hochzeitsillusion.
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