Schwer verdaulich
Es geschah des Abends. Ich saß mit untergeschlagenen Beinen am Feuer, sah in die zuckenden Flammen und nippte voller Genuss an einem Glas Wein. Da schwebte ein guter Geist herbei, sah mich trinken und setzte sich zu mir.
Welch eine Seele von Mensch! Sein Kleid war geweißt, sein Heiligenschein poliert, seine Schuhe geputzt. Sein Gesicht strahlte vor Glück. Ich war entzückt.
"Wie ich sehe, bist Du durstig, mein Guter. Hier, trink dies!" Gönnerhaft hielt er mir seine Flasche hin und setzte sich neben mich. "Dieser Tropfen wird Dich beleben und ist noch keinem zu Kopf gestiegen."
Etwas belustigt nippte ich an seiner Flasche, um sogleich im hohen Bogen alles wieder auszuspucken. "Pfui Spinne, das ist ja Wasser!" Angeekelt verzog ich das Gesicht. Sein Strahlen wurde noch ein bisschen gleißender. "Oh ja, mein Sohn! Pures, reines, klares Weihwasser!"
"Oh Gott", meinte ich, nun ehrlich entsetzt, und schob ihm seine Flasche zurück. "Sinnlich und tiefrot ist eher meine Note."
"Du irrst, mein Sohn! Oh, wie Du irrst!" Der gute Geist schüttelte ehrlich betrübt sein Haupt und schob mir seine Flasche erneut über den Tisch. "Es wird auch Dir schmecken, sei gewiss. Das Himmelreich ist Dir sicher. Was Du tust, ist Sünde!"
Nun grinste ich zufrieden. "Sünde, genau."
Da sprang mein Gegenüber auf die Beine, fegte das Glas vom Tisch und herrschte mich an: "Blinder Narr! Ich bringe Dir die Erlösung, und Du verschmähst meine herrliche Gabe?"
Er griff seine Flasche und wandte sich zum Gehen. Nicht ohne Genuss bemerkte er noch: "Wie ich sehe, mein Freund, willst Du doch lieber in der Hölle schmoren."
"Gewiss", nickte ich. Schlürfte meinen Wein, blickte ins Feuer und kratzte gedankenverloren meinen Pferdefuß.
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